Schon als Kind wollte Rebecca lernen, trotz ihrer motorischen Einschränkung leserlich zu schreiben. Die Invalidenversicherung stellte ihr für die Schule einen Computer zur Verfügung, doch sie benutzte ihn kaum. Sie wollte ohne Hilfsmittel schreiben können. Heute ist sie stolz auf diese hart antrainierte Fähigkeit. Für Rebecca ist klar, dass eine Behinderung kein Grund sein darf, Menschen von der politischen Teilhabe auszuschliessen. «Ich finde es wichtig, von meinem Stimmrecht Gebrauch zu machen», sagt sie. 

Die «Spezialregelung für schreibunfähige Personen» kennt Rebecca. Sie sieht vor, dass eine andere Person den Bogen ausfüllt und mit dem Vermerk «i.A.» – im Auftrag – unterschreibt. Rebecca empfindet diese Lösung als bevormundend. Viele Menschen mit Behinderungen hätten sich mühsam beigebracht, selbst zu unterschreiben. Diese Möglichkeit wollen sie sich nicht nehmen lassen. Besonders stört sie deshalb auch die Bezeichnung «schreibunfähig»: Viele Menschen können durchaus schreiben, haben aber Mühe, klein oder leserlich genug zu schreiben. Stattdessen brauche es Lösungen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden – etwa grössere Felder oder die Möglichkeit, die Angaben am Computer auszufüllen, auszudrucken und anschliessend selbst zu unterschreiben.

Dass die Bundeskanzlei ihre Praxis bei der Prüfung von Unterschriften verschärft hat, wusste Rebecca zunächst gar nicht. Erst durch diese Kampagne erfuhr sie davon. Dass Unterschriften gestrichen werden können, wenn beim Ausfüllen Unterstützung nötig war, empfindet sie als unfair und intransparent.

Gerade weil Rebecca sich das selbständige Schreiben über Jahre hart erarbeitet hat, trifft sie die neue Praxis besonders. «Nicht nur für mich, sondern für viele andere», sagt sie. Ihre eigene Geschichte zeigt, warum es flexible Lösungen braucht: Heute kann Rebecca die Felder selbst ausfüllen. Wenn sich ihre Sehfähigkeit weiter verschlechtert, könnte sie aber künftig wieder auf Unterstützung angewiesen sein. Ihr demokratisches Mitspracherecht darf davon nicht abhängen.

Wir haben in der Schweiz eine direkte Demokratie – und die sollte unabhängig vom gesundheitlichen Zustand funktionieren.

Rebecca fordert deshalb, dass Menschen mit Behinderungen unterschiedliche Möglichkeiten erhalten, ihre politischen Rechte selbstbestimmt wahrzunehmen – mit Unterstützung, wenn sie diese benötigen, und mit der Sicherheit, dass ihre eigene Stimme zählt.